WIR HASSEN THEATER — Netzwerk für strukturelle Resilienz
——— Wir ersetzen Gagen durch Sichtbarkeit und nennen es Empowerment. ——— Die Initiative für achtsame Selbstausbeutung. Wir helfen Ihnen, toxische Arbeitsumfelder durch die richtige Wahl der Pronomen unangreifbar zu machen. ——— Radikal inklusiv im Diskurs. Hermetisch abgeriegelt an der Kasse. Für eine Kunst, die niemanden erreicht, aber alle belehrt. ——— Klassenkampf proben. Mindestlohn verweigern. Wir wahren die Dringlichkeit der Kunst durch die Existenzangst der Künstler:innen. ——— Wo ‚Kollektive Autorschaft‘ draufsteht, aber am Ende trotzdem nur die Intendanz entscheidet. ——— ——— We replace fees with visibility and call it empowerment. ——— The initiative for mindful self-exploitation. We help you make toxic work environments unassailable through the right choice of pronouns. ——— Radically inclusive in discourse. Hermetically sealed at the box office. For an art that reaches no one, but lectures everyone. ——— Rehearsing class struggle. Refusing minimum wage. We preserve the urgency of art through the existential fear of the artists. ——— Where it says ‚Collective Authorship‘, but in the end only the artistic director decides anyway. ———

WIR
HASSEN
THEATER

Netzwerk für strukturelle Resilienz im Kulturbetrieb.

Das System ist nicht kaputt. Es funktioniert exakt so, wie es soll. Wir begleiten Kulturinstitutionen dabei, bewährte Ausbeutungsmechanismen durch zeitgemäße, achtsame Vokabeln zukunftssicher zu machen.

WE
HATE
THEATER

Network for structural resilience in the cultural sector.

The system is not broken. It works exactly as it should. We accompany cultural institutions in making proven exploitation mechanisms future-proof through contemporary, mindful vocabulary.

Neue Sprache, vertraute Strukturen

Wir haben gelernt. Die Zeiten des cholerischen, stühlewerfenden Genies sind vorbei – sie sind schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und erzeugen schlechte Presse. Wir haben erkannt, dass man dieselbe bedingungslose Unterwerfung und Selbstausbeutung viel eleganter erreichen kann, wenn man sie in einen Diskurs von „Care“, „Mindfulness“ und „flachen Hierarchien“ einbettet.

Unser Netzwerk fördert Institutionen, die verstanden haben: Politische Korrektheit auf der Bühne und im Programmheft ist das effektivste Schutzschild, um hinter den Kulissen absolut nichts verändern zu müssen. Wir nennen das: Strukturelle Resilienz.

New language, familiar structures

We have learned. The days of the choleric, chair-throwing genius are over – they are simply no longer contemporary and generate bad press. We have realized that the same unconditional submission and self-exploitation can be achieved much more elegantly if embedded in a discourse of ‚care‘, ‚mindfulness‘, and ‚flat hierarchies‘.

Our network supports institutions that have understood: Political correctness on stage and in the program booklet is the most effective shield to ensure absolutely nothing has to change behind the scenes. We call this: Structural Resilience.

Leitlinien für Best Practice

Wir zertifizieren Institutionen, die sich vertraglich an folgende zeitgemäße Richtlinien binden:

Guidelines for Best Practice

We certify institutions that contractually commit to the following contemporary guidelines:

Flexible Lebensrealitäten

Der klassische 9-to-5-Job ist ein bürgerliches, industrielles Konstrukt, das der Kunst im Weg steht. Wir setzen uns für radikal fluide Arbeitszeitmodelle ein. Proben von 10-14 Uhr, gefolgt von einer ‚freiwilligen‘ Konzeptbesprechung und der Abendprobe von 18-22 Uhr. Diese systematische Auflösung der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben framen wir erfolgreich als „grenzenloses künstlerisches Empowerment“.

Flexible Realities of Life

The classic 9-to-5 job is a bourgeois, industrial construct that stands in the way of art. We advocate for radically fluid working time models. Rehearsals from 10am-2pm, followed by a ‚voluntary‘ concept meeting and the evening rehearsal from 6pm-10pm. We successfully frame this systematic dissolution of boundaries between work and private life as ‚limitless artistic empowerment‘.

Achtsame Safe Spaces

Unsere Probenräume sind absolute Safe Spaces. Und zwar in erster Linie für die Visionen der Leitungsebene. Wenn Ensemblemitglieder fehlende Gagenanpassungen, den Verschleiß ihrer mentalen Gesundheit oder übergriffiges Verhalten ansprechen, wird dies als „toxische Störung des kollektiven Vertrauensraums“ identifiziert. Solche negativen Energien werden zum Schutz der Gruppe achtsam, aber konsequent nicht weiterbeschäftigt.

Mindful Safe Spaces

Our rehearsal rooms are absolute safe spaces. Primarily for the visions of the management, of course. If ensemble members address missing fee adjustments, the wear and tear on their mental health, or abusive behavior, this is identified as a ‚toxic disruption of the collective space of trust‘. Such negative energies are mindfully, yet consistently, not re-employed to protect the group.

Kritische Sichtbarkeit statt Kapital

Wir begreifen Geld als Teil eines ausbeuterischen, spätkapitalistischen Systems. Daher versuchen wir, unsere freischaffenden Künstler:innen so wenig wie möglich damit zu belasten. Statt tarifgerechter Bezahlung bieten wir das wertvollste Gut der Aufmerksamkeitsökonomie: Sichtbarkeit. Wer als Gastkünstler:in auf existenzsichernde Honorare besteht, hat die Dringlichkeit unseres antikapitalistischen Diskurses nicht verstanden.

Critical Visibility Instead of Capital

We understand money as part of an exploitative, late-capitalist system. Therefore, we try to burden our freelance artists with it as little as possible. Instead of union-scale pay, we offer the most valuable commodity of the attention economy: Visibility. Anyone insisting on a living wage as a guest artist has not understood the urgency of our anti-capitalist discourse.

Radikale Inklusion

Unser Theater ist für alle da. Um dies zu gewährleisten, dekonstruieren wir klassische Stoffe so lange, bis sie nur noch mit einem abgeschlossenen Studium der Poststrukturalistischen Theorie verständlich sind. Dass das klassische Arbeiter-Milieu oder bildungsfernere Schichten unseren Vorstellungen fernbleiben, bedauern wir in langen, hochkomplexen Programmheft-Essays zutiefst. Es zeigt uns, wie wichtig unsere ästhetische Bildungsarbeit noch ist.

Radical Inclusion

Our theater is for everyone. To ensure this, we deconstruct classic material until it is only understandable with a degree in post-structuralist theory. We deeply regret in long, highly complex program essays that the classic working-class milieu or less educated classes stay away from our performances. It shows us how important our aesthetic educational work still is.

Digitale Mündigkeit

Technologie ist kein bloßes Werkzeug, sie ist unser intellektueller Fetisch. Wir akquirieren massive Fördersummen im Bereich der „Digitalen Transformation“, um unfertige KI-Modelle oder Roboterhunde auf die Bühne zu stellen. Dass diese inhaltlich meist völlig isoliert bleiben und wir gleichzeitig kein Geld haben, um den Hospitant:innen den Mindestlohn zu zahlen, ist eine notwendige Friktion im Diskurs über den Posthumanismus.

Digital Maturity

Technology is not a mere tool; it is our intellectual fetish. We acquire massive funding in the area of ‚Digital Transformation‘ to put unfinished AI models or robot dogs on stage. The fact that these usually remain completely isolated in content while we simultaneously have no money to pay interns minimum wage is a necessary friction in the discourse on post-humanism.

Kollektive Autorschaft

Wir arbeiten hierarchiefrei. Das bedeutet, dass Dramaturgie, Regieassistenz und das Ensemble in monatelanger, oft unbezahlter Recherchearbeit die Stücktexte gemeinsam entwickeln. Wenn der Abend dann ein Erfolg wird, steht selbstverständlich nur der Name der Regie groß auf dem Plakat – schließlich hat diese den „Rahmen für diesen offenen Prozess gehalten“.

Collective Authorship

We work hierarchy-free. This means that dramaturgy, directing assistants, and the ensemble develop the texts together in months of often unpaid research work. When the evening becomes a success, naturally only the director’s name is in large letters on the poster – after all, they ‚held the space for this open process‘.

Impressum & Disclaimer

Dies ist eine satirische Website.

Dieses Webangebot ist ein fiktives Kunstprojekt und dient ausschließlich der satirischen Zuspitzung. Das Netzwerk „Wir hassen Theater“ existiert nicht als reale Institution oder Vereinigung. Die auf dieser Seite beschriebenen Praktiken, Philosophien und Vokabeln sind überspitzte Reaktionen auf reale strukturelle und diskursive Phänomene im zeitgenössischen Kulturbetrieb.

Jegliche Ähnlichkeiten zu existierenden Theatern, Förderstrukturen, Leitungsfiguren oder kulturpolitischen Manifesten sind dramaturgisch unvermeidbar und spiegeln branchenweite Realitäten wider, meinen jedoch explizit keine spezifischen Einzelpersonen oder real existierende Institutionen.

Diese Website sammelt keine Daten, verwendet keine Tracker und bezahlt – im Gegensatz zu ihrem satirischen Gegenstand – keine Praktikant:innen mit reiner „Sichtbarkeit“.

Imprint & Disclaimer

This is a satirical website.

This website is a fictional art project and serves exclusively for satirical exaggeration. The ‚We Hate Theater‘ network does not exist as a real institution or association. The practices, philosophies, and vocabulary described on this site are exaggerated reactions to real structural and discursive phenomena in the contemporary cultural sector.

Any similarities to existing theaters, funding structures, leading figures, or cultural-political manifestos are dramaturgically unavoidable and reflect industry-wide realities, but explicitly do not mean specific individuals or real existing institutions.

This website collects no data, uses no trackers, and – unlike its satirical subject – does not pay interns with pure ‚visibility‘.