WIR
HASSEN
THEATER
Netzwerk für strukturelle Resilienz im Kulturbetrieb.
Das System ist nicht kaputt. Es funktioniert exakt so, wie es soll. Wir begleiten Kulturinstitutionen dabei, bewährte Ausbeutungsmechanismen durch zeitgemäße, achtsame Vokabeln zukunftssicher zu machen.
WE
HATE
THEATER
Network for structural resilience in the cultural sector.
The system is not broken. It works exactly as it should. We accompany cultural institutions in making proven exploitation mechanisms future-proof through contemporary, mindful vocabulary.
Neue Sprache, vertraute Strukturen
Wir haben gelernt. Die Zeiten des cholerischen, stühlewerfenden Genies sind vorbei – sie sind schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und erzeugen schlechte Presse. Wir haben erkannt, dass man dieselbe bedingungslose Unterwerfung und Selbstausbeutung viel eleganter erreichen kann, wenn man sie in einen Diskurs von „Care“, „Mindfulness“ und „flachen Hierarchien“ einbettet.
Unser Netzwerk fördert Institutionen, die verstanden haben: Politische Korrektheit auf der Bühne und im Programmheft ist das effektivste Schutzschild, um hinter den Kulissen absolut nichts verändern zu müssen. Wir nennen das: Strukturelle Resilienz.
New language, familiar structures
We have learned. The days of the choleric, chair-throwing genius are over – they are simply no longer contemporary and generate bad press. We have realized that the same unconditional submission and self-exploitation can be achieved much more elegantly if embedded in a discourse of ‚care‘, ‚mindfulness‘, and ‚flat hierarchies‘.
Our network supports institutions that have understood: Political correctness on stage and in the program booklet is the most effective shield to ensure absolutely nothing has to change behind the scenes. We call this: Structural Resilience.
Leitlinien für Best Practice
Wir zertifizieren Institutionen, die sich vertraglich an folgende zeitgemäße Richtlinien binden:
Guidelines for Best Practice
We certify institutions that contractually commit to the following contemporary guidelines:
Flexible Lebensrealitäten
Der klassische 9-to-5-Job ist ein bürgerliches, industrielles Konstrukt, das der Kunst im Weg steht. Wir setzen uns für radikal fluide Arbeitszeitmodelle ein. Proben von 10-14 Uhr, gefolgt von einer ‚freiwilligen‘ Konzeptbesprechung und der Abendprobe von 18-22 Uhr. Diese systematische Auflösung der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben framen wir erfolgreich als „grenzenloses künstlerisches Empowerment“.
Flexible Realities of Life
The classic 9-to-5 job is a bourgeois, industrial construct that stands in the way of art. We advocate for radically fluid working time models. Rehearsals from 10am-2pm, followed by a ‚voluntary‘ concept meeting and the evening rehearsal from 6pm-10pm. We successfully frame this systematic dissolution of boundaries between work and private life as ‚limitless artistic empowerment‘.
Achtsame Safe Spaces
Unsere Probenräume sind absolute Safe Spaces. Und zwar in erster Linie für die Visionen der Leitungsebene. Wenn Ensemblemitglieder fehlende Gagenanpassungen, den Verschleiß ihrer mentalen Gesundheit oder übergriffiges Verhalten ansprechen, wird dies als „toxische Störung des kollektiven Vertrauensraums“ identifiziert. Solche negativen Energien werden zum Schutz der Gruppe achtsam, aber konsequent nicht weiterbeschäftigt.
Mindful Safe Spaces
Our rehearsal rooms are absolute safe spaces. Primarily for the visions of the management, of course. If ensemble members address missing fee adjustments, the wear and tear on their mental health, or abusive behavior, this is identified as a ‚toxic disruption of the collective space of trust‘. Such negative energies are mindfully, yet consistently, not re-employed to protect the group.
Kritische Sichtbarkeit statt Kapital
Wir begreifen Geld als Teil eines ausbeuterischen, spätkapitalistischen Systems. Daher versuchen wir, unsere freischaffenden Künstler:innen so wenig wie möglich damit zu belasten. Statt tarifgerechter Bezahlung bieten wir das wertvollste Gut der Aufmerksamkeitsökonomie: Sichtbarkeit. Wer als Gastkünstler:in auf existenzsichernde Honorare besteht, hat die Dringlichkeit unseres antikapitalistischen Diskurses nicht verstanden.
Critical Visibility Instead of Capital
We understand money as part of an exploitative, late-capitalist system. Therefore, we try to burden our freelance artists with it as little as possible. Instead of union-scale pay, we offer the most valuable commodity of the attention economy: Visibility. Anyone insisting on a living wage as a guest artist has not understood the urgency of our anti-capitalist discourse.
Radikale Inklusion
Unser Theater ist für alle da. Um dies zu gewährleisten, dekonstruieren wir klassische Stoffe so lange, bis sie nur noch mit einem abgeschlossenen Studium der Poststrukturalistischen Theorie verständlich sind. Dass das klassische Arbeiter-Milieu oder bildungsfernere Schichten unseren Vorstellungen fernbleiben, bedauern wir in langen, hochkomplexen Programmheft-Essays zutiefst. Es zeigt uns, wie wichtig unsere ästhetische Bildungsarbeit noch ist.
Radical Inclusion
Our theater is for everyone. To ensure this, we deconstruct classic material until it is only understandable with a degree in post-structuralist theory. We deeply regret in long, highly complex program essays that the classic working-class milieu or less educated classes stay away from our performances. It shows us how important our aesthetic educational work still is.
Digitale Mündigkeit
Technologie ist kein bloßes Werkzeug, sie ist unser intellektueller Fetisch. Wir akquirieren massive Fördersummen im Bereich der „Digitalen Transformation“, um unfertige KI-Modelle oder Roboterhunde auf die Bühne zu stellen. Dass diese inhaltlich meist völlig isoliert bleiben und wir gleichzeitig kein Geld haben, um den Hospitant:innen den Mindestlohn zu zahlen, ist eine notwendige Friktion im Diskurs über den Posthumanismus.
Digital Maturity
Technology is not a mere tool; it is our intellectual fetish. We acquire massive funding in the area of ‚Digital Transformation‘ to put unfinished AI models or robot dogs on stage. The fact that these usually remain completely isolated in content while we simultaneously have no money to pay interns minimum wage is a necessary friction in the discourse on post-humanism.
Kollektive Autorschaft
Wir arbeiten hierarchiefrei. Das bedeutet, dass Dramaturgie, Regieassistenz und das Ensemble in monatelanger, oft unbezahlter Recherchearbeit die Stücktexte gemeinsam entwickeln. Wenn der Abend dann ein Erfolg wird, steht selbstverständlich nur der Name der Regie groß auf dem Plakat – schließlich hat diese den „Rahmen für diesen offenen Prozess gehalten“.
Collective Authorship
We work hierarchy-free. This means that dramaturgy, directing assistants, and the ensemble develop the texts together in months of often unpaid research work. When the evening becomes a success, naturally only the director’s name is in large letters on the poster – after all, they ‚held the space for this open process‘.